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Ostertouren Val da Camp, 30. März – 2. April 2018

Waren die Wetterprognosen für das Puschlav lange miserabel, besserten sich die Voraussagen und am Mittwoch konnte ich, auch dank dem Optimismus des Saoseo-Hüttenteams, die Durchführung bekanntgeben.

Karfreitag, 30. März

Wir müssen das Programm kürzen, da noch Schneefälle angesagt sind. So reisen wir mit dem öV nach Poschiavo und, nach einer Kaffeepause, weiter mit dem Rufbus (CasaCar Valposchiavo) bis Sfazù, wo wir bei Schneefall den Aufstieg ins Val da Camp beginnen. Nach etwa 1½ Std. erreichen wir das von den SRF1-Hüttengeschichten bekannte Rifugio Saoseo CAS 1986m. Hier beträgt die Schneedecke noch mehr als einen Meter, und die Aussenzugänge zu den oberen Stockwerken führen an hohen Schneemauern vorbei. Bruno Heis, der „noch“ Hüttenwart empfängt uns freundlich. Er teilt uns ist den Winterraum zu, mit separatem Eingang, fliessend Kaltwasser und separatem WC-Häuschen. Bald ist Aperozeit und um 19 Uhr Nachtessen.

War die Lawinengefahrenstufe am Donnerstagabend für das Puschlav noch mässig, so ist sie jetzt auf Stufe 4 gestiegen, grosse Lawinengefahr. Eine böse Überraschung. Bruno hat jedoch von Lawinensprengspezialisten der Region erfahren, dass die Schneedecke stabil sei und dass bei guter Routenwahl durchaus Touren unternommen werden können.

Karsamstag, 31. März

Skitourengruppe: Um halb 9 Uhr starten wir zu dritt Richtung Osten mit dem Ziel Piz Cunfin. Das Wetter ist wechselhaft und im Neuschnee liegt bereits eine Spur. Wir kommen zügig voran und erreichen nach zwei Stunden den Grat an der Grenze zu Italien. Auf diesem Grat geht’s Richtung Norden zum Gipfel. Jetzt zeigt sich auch noch die Sonne und wir sind guten Mutes, den Gipfel zu erreichen. Doch bald verdunkelt sich der Himmel wieder und Nebel verdeckt den Gipfel. Bei einer kritischen Stelle trennen wir uns. Zu zweit machen wir uns auf den Rückweg, während ein Teilnehmer noch ganz zum Gipfel aufsteigt. Zurück fahren wir auf der Aufstiegspur. Der Schnee ist schwer und die Abfahrt geht in die Knochen. Am frühen Nachmittag erreichen wir das Rifugio Saoseo.

Schneeschuhgruppe: Wir entscheiden uns für den Aufstieg durchs Val Viola. Den Zugang zum Lagh da Saoseo spuren wir durch tiefen Pulverschnee. Klar, im Winter ist der See zugefroren, vom berühmten türkisblauen Wasser ist nichts zu sehen und wir spuren hinauf zum nächsten See, dem Lagh da Scicpadus. Den dritten See, den Lagh da Val Viola erreichen wir auf einer guten Aufstiegsspur. Das Wetter ist besser geworden. Bei Sonnenschein machen wir Mittagspause und können einer SAC-JO-Gruppe zuschauen, wie sie an einem Steilhang Saltos übt. Zurück wandern wir zuerst auf der Aufstiegsspur und queren dann hinüber zur Alpe Camp und von da in wenigen Minuten hinunter zu unserem Rifugio.

Ostersonntag, 1. April

Skitourengruppe: Heute ist das Wetter besser, aber ein starker Wind bläst. Unser Ziel ist der Piz Ursera. Der Weg führt durchs Val Mera Richtung Norden. Wir folgen einer Spur und sehen vor uns immer wieder Tourengänger, die vor uns gestartet sind. Dadurch verpassen wir die Abzweigung zum Gipfelanstieg von Osten und sind auf der Route, die von Westen zum Gipfel führt. Nach 2 Stunden sind wir am Grat zum Gipfel. Von hier hat man eine gute Sicht Richtung Berninastrasse und Palügebiet. Bald kommen uns die vor uns Gestarteten entgegen. Sie sagen, dass oben eine Schneewechte den Weg versperrt und der Aufstieg zum Gipfel nicht möglich ist. So entschliessen wir uns ebenfalls zur Umkehr. Über traumhafte Hänge fahren wir zurück ins Tal. Leider ist der Schnee sehr unterschiedlich und verlangt alles von uns. Auch heute sind wir kurz nach dem Mittag zurück in der Hütte.

Schneeschuhgruppe: Nach kurzem Abstieg bis Rügiul verlassen wir die Strasse und folgen einer kaum mehr erkennbaren Spur durch eine traumhafte Landschaft bis zur Aufstiegsroute zum Motal. Es ist Schwerarbeit für die Spurenden, herzliche Dank! Auf einer gut angelegten Aufstiegsspur geht’s nun durch lichten Wald hinauf bis Munt da San Franzesch und weiter oberhalb der Waldgrenze an den Fuss des Motal. Die Normalroute durch die grosse Mulde südöstlich vom Motal ist bei der immer noch erheblichen Lawinengefahr zu gefährlich. Wir verzichten auf den steilen Anstieg über den Ostgrat und machen uns auf den Rückweg. Durch tiefen Pulverschnee geht’s mühelos hinunter, bis wir auf der Spur, die wir am Morgen angelegt haben, zurück Richtung Rifugio wandern. Wieder traumhaft, wieder mit Aussicht auf den Piz Palü.

Ostermontag, 2. April

Skitourengruppe: Eigentlich wollte ich heute keine Skitour mehr machen, aber Ruth und Norbert überreden mich auf Grund des guten Wetterberichtes mitzukommen auf den Motal. Wir stehen früher auf als die Tage zuvor. Nach dem Frühstück fahren wir zuerst ein Stück ins Tal und um 8:00 Uhr sind wir bereit zum Aufstieg. Es ist frisch und wir steigen zügig durch den Wald Richtung Motal. Nach einer Stunde sind wir an der Sonne und um 10:00 Uhr auf dem Gipfel. Es hat sich gelohnt! Kein Wind, wolkenloser Himmel und eine traumhafte Fernsicht. Allzulange können wir hier nicht bleiben, denn wir müssen ja heute noch nach Hause reisen. Wir sind überrascht vom traumhaften Pulverschnee, den wir noch finden. Unsere Erfahrung macht sich bezahlt, wir suchen alle Schneefelder, die nach Norden gerichtet sind. Einzig ganz unten im Wald werden wir noch einmal gefordert. Auf dem Weg fahren wir zurück an die Berninastrasse, wo wir unser Taxi bestellen und an der Sonne uns mit einem wunderbaren Essen verwöhnen lassen. Das Taxi holt uns pünktlich ab und bringt uns nach Poschiavo, wo wir für die Heimreise wieder auf unsere Freunde mit den Schneeschuhen treffen.

Schneeschuhgruppe: Wir verabschieden uns um 8.30 Uhr vom zuvorkommenden Hüttenteam (Bruno bleibt übrigens noch eine weitere Saison bis Frühling 2019). Wir gehen zuerst auf der gestrigen Route und wandern dann auf der linken Seite über Terzana und Suracqua talauswärts. Vor Sfazù überqueren wir den Bergbach auf einer abenteuerlichen Brücke, die am Anfang aper ist, dann jedoch über eine Schneerampe höher als das Brückengeländer führt. In Sfazù trinken wir einen Kaffee und können dann mit dem von andern Tourengängern bestellten Bus nach Poschiavo fahren. Im Städtchen finden wir eine Gartenwirtschaft, wo wir uns verpflegen und nochmals Sonne tanken, und uns dann, zusammen mit der Skitourengruppe, auf die Heimfahrt machen.

Schneite und stürmte es auf der Hinfahrt am Karfreitag, so herrscht heute Postkartenwetter und die Fahrt über den Berninapass fasziniert uns einmal mehr. 

4. April 2018
Tourenleiter Ski: Franz Greber
Tourenleiter Schneeschuhe: Hansruedi Keller

Kosten:
Reise / SAC Hütte / Verpflegung / Tourenleiter: ca. CHF 300.-

Witterung:
Von allem

Statistik Skitourengruppe:
Freitag: +370Hm; 4 km
Samstag: +/- ca. 1000 Hm
Sonntag: +/- ca. 1000 Hm
Montag:  +/- ca. 800 Hm

Statistik Schneeschuhgruppe:
Freitag: +370 Hm; 4 km; 1¾ Std.
Samstag: +/- 250 Hm; 5 km; 3 Std.
3 Teilnehmer zusätzlich ca. 200 Hm, 3 km 1.5 Std.
Sonntag: +/- 700 Hm; 8 km, 5¼ Std.
Montag: + 100/-450 Hm; 5 km; 3 Std.

Teilnehmende: 9
Skitourengruppe: 3
Schneeschuhgruppe: 6