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Auf krummen Wegen von Guggisberg zum Schloss Chillon, 6. – 11. Mai 2021

6. Mai: Guggisberg – Zollhaus – Schwarzsee
Kaum aus dem Bus sitzen wir schon auf der Terrasse des Sternen in Guggisberg. Ortsrundgang und Hörnlibesteigung fallen aus. Es geht durch weites fruchtbares Hügelland, vorbei an schmucken Höfen, zum Zollhaus. Nun folgen wir der Warmen Sense bis zum Haus Montanara in Schwarzsee. Zwei Ferienwohnungen und ein gemütlicher Aufenthaltsraum warten auf die pudelnassen Gäste. Drei müde Wanderer zieht es nach dem Nachtessen bettwärts, während die andern noch Ihre Jasssucht ausleben.

7. Mai: Haus Montanara – Schwarzsee – Alp Recardets – Charmey
Während drei von uns einen Kulturtag in Fribourg und Bulle einlegen, ziehen die andern unverdrossen – bei Kälte, Wind, Regen, Hagel, Schnee – an Schwarzsee und einem beeindruckenden wasserspeienden Drachen vorbei hinauf zur Alp Recardets. Älpler Heinz ist vom Coronavirus bereits gut genesen und bittet uns in seine gute Stube zu Kaffee und Schokolade. Frisch aufgewärmt wieder hinein in die nassen Klamotten iiiii! Zum Picknick finden wir auf 1416 m Höhe unter einem weit vorstehenden Alpdach Unterschlupf. Nun stapfen wir durch Schnee. Es gibt aber immer wieder apere Stellen, wo uns Krokusse, Soldanellen und Leberblümchen erfreuen. Nach kurzem Suchen und telefonischem Hilferuf werden wir in Charmey per Privattaxi zu unserem Jugendstilhotel Le Sapin gefahren. Unsere Zimmer haben riesige Badewannen, und beim ansteigenden Bad sind unsere „Eisfüsse“ bald vergessen.

8. Mai: Charmey – Jaunschlucht – Broc – Château d’en bas – Bulle – Vuadens
Vorbei am vielfach zerlappten Stausee von Montsalvens, der mit seinen Armen und Buchten immer wieder den Eindruck von kleinen Seen bietet, erreichen wir nach kurzem Irrtums-Abstecher die mit 55m Höhe beeindruckende Staumauer. Und kurz darauf stellen wir fest, dass wir nicht die einzigen sind, die Schlucht, kleine Wasserfälle und Höhlengänge auf dem Programm haben. In Broc werfen wir einen Blick auf die imposante Schoggifabrik von Cailler, ein ausladender Backsteinbau von 1908. Am Ortsende können wir das Château d`En Bas leider nur von aussen ansehen, bevor wir über die alte Steinbrücke von 1580 zum anderen Saaneufer wechseln. Durch den Stadtwald von Bulle gelangen wir zur Burg. Um diese herum gibt es eine Fotoausstellung mit alten Stadtbildern. In der Altstadt erkämpfen wir 2 freie Terrassentische. Mit gestilltem Durst gibt es noch einen kleinen Stadtbummel, bevor wir auf dem sogenannten“ Weg der Armen“, weiter nach Vuadens laufen. In unserer Ferienwohnung steht uns eine sonnige Terrasse und eine geräumige Küche zum Kochen und Spielen zur Verfügung.

9. Mai: Vuadens – Ratvel – Rosalys – Auberge de Jonc
Zunächst entlang der Trême, dann steil und ziemlich rutschig hinauf zum eigentlichen Wanderweg, gelangen wir auf ein Fahrsträsschen. Nach dem Picknick steht die Überquerung eines reissenden Baches an, also Schuhe und Socken aus und Hosenbeine hoch! Die Stöcke nützen wenig, die Strömung verhindert den sinnvollen Einsatz. Zwei Herren versuchen es mit den Schuhen über vorstehende Steine und bekommen heute die nassen Füsse mal nicht vom Regen. Via Skistation Ratvel geht es zum Touristenort Rosalys. Hier kommt der Wirt gleich mit einer Trennwand angestürzt, als wir uns am gleichen Tisch niederlassen wollen. Ca. eine Stunde später erreichen wir die Auberge de Jonc mit Sonnenterrasse am gleichnamigen See. Im Juli sollte hier die seltene kleine Seerose üppig blühen! Graureiher harren am Seeufer auf Beute. Heute können wir à la carte essen und natürlich wieder jassen.

10. Mai: Auberge de Jonc – Les Pléiades – Fontanivent mit Zug nach Montreux
Der Col de Jaman wird aus Wettergründen gestrichen. Stattdessen laufen wir Richtung Dally und auf einen Umweg durch Narzissenfelder – die meisten haben erst Knospen. Durch ein Hochmoor mit fleischfressenden Pflanzen und allerlei Wassergetier schlagen wir den Weg Richtung Sonloup ein. Es geht zum Teil durch Schnee aufwärts. Plötzlich umgeben uns dichte Nebelschwaden und man sieht kaum die Hand vor Augen. Wir tapsen in unbekannten Fussspuren höher und höher. Plötzlich reisst der Nebel auf und gibt den Blick frei auf Genfersee und die französischen Alpen (Seufzer der Erleichterung!). Eine abgestürzte Wanderweg-Brücke zwingt uns zur Umkehr, wir laufen zu Tale in Richtung einer Bushaltestelle. Da wir nicht im Regen auf den nächsten Bus warten wollen, laufen wir über einen gepflasterten steilen Weg hinunter zum nächsten Bahnhof, dort fahren aber nur am Wochenende Dampfzüge als Touristenattraktion!! Also weiter zum übernächsten Bahnhof. In Fontanivent treffen wir zeitgleich mit dem MOB-Zug ein, keine Zeit zum Billett lösen, aber der Kondukteur zeigt Mitleid mit den schlammverspritzten Senioren und erlässt uns die Busse. Übernachtet wird im Hotel Bon Port, ruhig gelegen, nahe der Seepromenade. An dieser finden wir auch eine überdachte, geheizte Terrasse. In Wolldecken gehüllt geniessen wir unser Nachtessen.

11. Mai: Montreux – Seepromenade – Schloss Chillon
Nach dem Morgenessen treten drei lieber die vorzeitige Heimreise an. Eine erkundet mit der Rivieracard das ausgedehnte örtliche öV-Netz. Drei bestaunen auf der grosszügig angelegten Seepromenade üppige Blumenbeete, seltene Baumarten und Kunstwerke. Nach ausgiebiger, sehr lohnender Schlossbesichtigung entdecken wir eine Bank unter einem Baldachin, wo wir unser Take-Away mit Seesicht im Trockenen verzehren dürfen. Um 14 Uhr geht es dann heimwärts.

15.Mai Siegrid Faehre

Witterung:
Sonne, Regen (wenn Mairegen auch Menschen gross machen würde, wären wir jetzt Riesen!), Schnee, Graupelschauer, Wind.

Besonderes:
Die ursprünglich geplante Route musste wegen geschlossener Unterkünfte verlegt werden. (Ich würde normalerweise in der Weitwanderwoche nicht so nobel absteigen und plane auch kein Zimmerfrühstück wie in Charmey). Aber trotz Wetterkapriolen, unfreiwilligen Umwegen, nassen Füssen und anderer Unbill haben wir doch immer zu guter Laune zurückgefunden.

Statistik:
+3600 Hm, -4170 Hm, 115 km,  ca.30 Wanderstunden

Teilnehmende: 7